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Geschichte der Freimaurerei

Ursprünge

Die „offizielle“ Geschichtsschreibung der Freimaurerei beginnt mit dem 24. Juni 1717 in England. Dort schlossen sich im Londoner Pub „Ale house at the Goose and Gridiron” vier Logen der Stadt zur ersten Großloge zusammen. Die Freimaurerei ist aber wohl viel älter und aus einem ganzen Strauß von Einflüssen und geistigen Strömungen hervorgegangen.

Mittelalterliche Bauhütten des gotischen Kathedralenbaus sowie englische und schottische, auch konkret als Interessenverbände tätige Handwerksgilden gelten als wahrscheinliche Vorläuferorganisationen. Diese waren ihrerseits, neben anderen Wurzeln, historisch auch beeinflusst vom Gedankengut der mittelalterlichen Alchemisten, die als Steigbügelhalter der Naturwissenschaften zur Emanzipation des abendländischen Denkens vom Primat der Kirche beitrugen, und von den in dieser Tradition stehenden Rosenkreuzern. 1688/1689 überwand die „Glorreichen Revolution“ in England den Absolutismus und begründete die älteste neuzeitliche Demokratie. Zur selben Zeit trieb namentlich John Locke den Deismus, einen überkonfessionellen „natürlichen Gottesglauben“ voran. All diese und viele weitere Einflüsse formten in England um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert die Freimaurerei. Der Geist von Glaubens- und Gedankenfreiheit, von Toleranz und Demokratie gehört zur DNA der Freimaurerei.

Der Gedanke der Freimaurerei breitete sich schnell in Europa und Nordamerika aus. Insbesondere maßgebliche Akteure der Amerikanischen Revolution waren Freimaurer. Die Unabhängigkeitserklärung von 1776 enthält die erste Deklaration unveräußerlicher Menschenrechte. Das Kapitol, dessen Grundstein damals gelegt wurde und in dem bis heute das US-Parlament tagt, ist nach freimaurerischen Architekturvorgaben errichtet. In Europa sah sich der Absolutismus durch Freiheitsbestrebungen herausgefordert. Freimaurerei wurde daher von Anfang an verfolgt und mußte im Verborgenen agieren. Im aufgeklärten Großbürgertum Europas und bei fortschrittlichen Adeligen fand Freimaurerei dennoch schnell Anklang.

Die Vor- und Frühzeit der Freimaurerei ist zunehmend Gegenstand aktueller Forschung, die allerdings durch eine dürftige Quellenlage erschwert wird.

Deutschland

Als die Freimaurerei Mitte des 18. Jahrhunderts Deutschland erreichte, dominierte hier noch absolutistische Kleinstaaterei. Freimaurerei war zu dieser Zeit eine exklusive Angelegenheit von Adel und Großbürgertum. In diesen Kreisen stießen die freiheitlich-demokratischen Grundsätze der englischen Freimaurerei naturgemäß auf breite Skepsis. Ab ca. 1750 konkurrierten daher in Deutschland zwei stark vom englischen Vorbild abweichende freimaurerische Strömungen: die Lehrart der Strikten Observanz und die Zinnendorf-Logen.

Die 1751 gegründete Strikte Observanz verlangte im Geist des Absolutismus strenge hierarchische Unterordnung der Mitglieder und griff allerlei Moden der Zeit wie ein romantisch verklärtes Rittertum auf. Als Hochgradsystem bot die Lehrart nach dem Meistergrad die Grade Schotte, Novize und zuletzt Tempelritter und fand schnell große Verbreitung. Die Führung berief sich auf „unbekannte Obere“ des bereits im Spätmittelalter aufgehobenen, legendenumwobenen Templerordens. Das aber konnte nicht belegt und mußte aufgegeben werden. So ihrer Hauptattraktion beraubt, versank die Lehrart Ende des Jahrhunderts in Bedeutungslosigkeit.

Ab 1770 waren die sogenannten Zinnendorf-Logen in Deutschland erfolgreich. Dieses eigenständige Hochgradsystem mit bis zu elf Graden lehnte sich an das 1756 entstandene, christlich orientierte und noch heute lebendige „Schwedische System“ an. Bis 1773 wurden die Zinnendorf-Logen nicht von der Englischen Großloge anerkannt und entwickelten sich daher zunächst unstet.

Erst um die Wende zum 19. Jahrhundert besann sich die deutsche Freimaurerei auf die ursprünglichen Ideale, die klare Symbolik und das Dreigradsystem der Entstehung in England und reformierte sich. Als Zerfallsprodukt der Strikten Observanz entstand auf Betreiben von Franz von Ditfurth der Eklektische Bund. Friedrich Ludwig Schröder legte in Hamburg auf Grundlage einer systematischen Erforschungen aller verfügbaren Rituale sein am englischen Vorbild orientiertes „Schrödersches Ritual“ vor. Ignaz Feßler verfolgte in Berlin einen ähnlichen Ansatz auf Basis des amerikanischen „York“-Ritus. Beide Reformer standen in engem Austausch mit der Freimaurerei nahestehenden Geistesgrößen ihrer Zeit wie Goethe, Wieland, Herder und Fichte.

Im 19. Jahrhundert ging aus den Zinnendorf-Logen die sehr erfolgreiche „Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland“ („Freimaurerorden“) hervor, die in Deutschland bis ins 20. Jahrhundert dominierte. Parallel bildete sich aus den Reformbestrebungen heraus die zunächst weniger verbreitete und zersplitterte „Humanistische Freimaurerei“, der heute zwei Drittel der deutschen Freimaurer angehören.

Blütezeit

Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist Freimaurerei als anerkannte Institution des aufstrebenden Bürgertums besser dokumentiert. Insbesondere ist von vielen einflussreichen Persönlichkeiten bekannt, dass sie Freimaurer waren. Darunter sind Politiker wie George Washington, Benjamin Franklin, König Friedrich II „Der Große“ von Preußen, Simon Bolivar, Franklin D. Roosevelt, Harry S. Truman, Gustav Stresemann, Kemal Atatürk und Winston Churchill, Künstler wie Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Wolfgang von Goethe, Mark Twain, Arthur Conan Doyle, Oliver Hardy, W. C. Fields, Duke Ellington, Kurt Tucholsky, Clark Gable und Peter Sellers, aber auch Industrielle wie George Mortimer Pullman, Henry Ford und André Citroën. Diese und viele, viele weitere Freimaurer haben in den letzten 300 Jahren gestaltend Einfluss genommen auf viele nachhaltig wirksame welthistorische Ereignisse wie die Amerikanische und die Französische Revolution, aber auch auf Wissenschaft, Technik, und auf die Industrielle Revolution.

Verfolgung

Im 20. Jahrhundert verfolgten sowohl der aufkommende Faschismus in Italien, Deutschland und Spanien als auch der sowjetische Kommunismus, der bis zum Fall der Mauer 1989 in ganz Osteuropa fortwirkte, die Freimaurerei konsequent. Man erkannte darin ganz richtig einen Hort unkontrollierbarer Unbotmäßigkeit, deren Gedankenwelt jedem Totalitarismus strikt entgegensteht. Freimaurerei wurde mit langjährigen Haftstrafen und Schlimmerem sanktioniert. Von dieser Verfolgung hat sich die Freimaurerei zumindest zahlenmäßig bis heute nicht erholt. Gab es vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 beispielsweise in Deutschland ca. 80.000 Freimaurer, so sind es heute gerade gut 15.000.

Freimaurerei heute

Auch aktuell sieht sich die Freimaurerei besonders in der westlichen Welt Anfeindungen ausgesetzt. Krude, uralte Verschwörungstheorien um eine angebliche jüdisch-freimaurerische Weltverschwörung des Finanzkapitals feiern in den Echokammern des Internets fröhliche Urständ. Sehr bedrohlich erscheint auch der immer ungehemmter durchgreifende Primat des Materialismus. In den USA, wo diese Lebensform am längsten praktiziert und am wenigsten durch korrigierende Institutionen gesteuert wird, ist die Anzahl der Freimaurer in den letzten fünfzig Jahren um beinahe drei Viertel von knapp vier auf heute etwa eine Million zurückgegangen.

Unter dem Eindruck wachsender Intoleranz, ausufernden Materialismus' und zunehmender Ungleichheit in unserer Gesellschaft erfolgt indes eine Rückbesinnung auf humanitäre Werte. Die Mitgliederzahlen in Europa und anderen Teilen der Welt steigen seit einigen Jahren wieder leicht an. In totalitären Staaten wie China oder dem Iran wird Freimaurerei aber nach wie vor drakonisch verfolgt.

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